Weinanbaugebiet Galicien

Der grüne Nordwesten Spaniens – Heimat des Albariño und der bekannten DO-Nomination Rías Baixas

Weinanbaugebiet Galicien

Land: Spanien
Region: Galicia
Anbaufläche: 30.120 ha
Weinerzeugung: 357.442 hl

Geografie

Klima: niederschlagsreich, ozeanisch, milde Winter, etwas trockener im Landesinnern
Böden: Höhen: Granit- und Schieferböden, lehm- und kalkhaltig, teils nährstoffarm; Niederungen: sand- und lehmhaltig, Schwemmland

Rebsortenanteil

14,1% 85,9%

Galicien Karte

Karte Weinbaugebiete Galicien, Spanien - Vino Culinario
(vergrößerbar)

≡ Spanische Weinbauregionen

Wilde Natur, steile Küsten und bekannte Weißweine - der vielfältige Nordwesten Spaniens

Landschaft Hügel in Galicien, Spanien - Vino Culinario
Galicien gehört zum „grünen Norden“ Spaniens, der sich durch gemäßigte Temperaturen und ausreichende Niederschläge auszeichnet.

Galicien oder spanisch Galicia ist die nordwestlichste Region von Spanien und liegt mit ihrer zerklüfteten, über 1.600 km langen Küste zwischen Portugal, Asturien und Kastilien-und-León am Übergang zwischen Atlantik und Kantabrischem Meer. Im Landesinnern trennen die Kordilleren Galicien und den ganzen grünen, gemäßigten Norden vom heißeren und trockeneren Mittel- und Südspanien ab.

Steinzeitliche, bronzezeitliche und keltische Überreste, z.B. die bekannten Dolmen, bilden die Ursprünge menschlicher Besiedelung Galiciens. Letztere Einflüsse sind bis heute spürbar, geht doch der lateinische Name „Gallaeci“ auf die Kelten zurück. Die einzigartige Rías-Küstenlandschaft mit ihren fjordähnlichen Flussmündungen und den höchsten Kliffen Europas prägt die meeresnahen Gebiete, in denen sich neben Tourismuszentren auch Industrie, Fischfang und einige Großhäfen befinden, über die bereits seit Jahrhunderten auch der galicische Wein verschifft wurde.

Der Weinbau selbst beschränkt sich aus klimatischen Gründen weitgehend auf die Südhälfte des regenreichen Galiciens und geht zurück bis zu den Römern und Griechen, wurde später durch die zahlreichen Klöster weitergeführt und verfeinert und durch den bekannten Jakobsweg, der in Galiciens Hauptstadt Santiago de Compostela endet, weit über die Grenzen Spaniens hinaus bekannt.

Die berüchtigte Reblausplage des 19. Jahrhundert machte auch vor Galicien nicht halt und beendete den Weinbau in seiner bisherigen Ausdehnung. Heute liegt Galicien mit ca. 30.000 ha im hinteren Mittelfeld der spanischen Weinbaugebiete, bringt aber in den bekannten DOC-Gebieten wie Rías Baixas und Ribeira Sacra durchaus einige der höherwertigen Weine Spaniens hervor.

Klima und Böden in Galicien

Weinreben in Ribeira Sacra, Galicien, Spanien - Vino Culinario
Die Weinberge in Ribeira Sacra entlang des Rio Miño in der Provinz Ourense

Das „grüne Spanien“, wie der gemäßigte, regenreiche und teils sogar an die Bretagne oder Irland erinnernde Norden genannt wird, profitiert von den Westwinden, die atlantisches Klima und ausreichend Feuchtigkeit für Landwirtschaft und üppige Vegetation mitbringen. Die Kordilleren und weiter östlich das Kantabrische Gebirge gelten als Regenbarriere, so dass gerade in Herbst und Frühjahr viele Niederschläge in den Tälern und Ebenen Galiciens niedergehen.
Die Winter sind mild und ebenfalls regenreich, so dass beim Weinbau darauf geachtet werden muss, die Weinberge und Hänge gut zu drainieren. In den Tälern der auch „Land der tausend Flüsse“ genannten Region sind die Böden häufig zu feucht für den Rebbau.

Der Südosten Galiciens, in dem auch einige der rotweinlastigeren Gebiete wie Valdeorras und Ribeira Sacra liegen, ist zwar im Gesamtdurchschnitt Spaniens immer noch sehr niederschlagsreich, für Galicien aber nachgerade trocken und kontinental.

So muss Galicien trotz seines Regenreichtums auch jedes Jahr mit zahlreichen Waldbränden kämpfen, die durch leicht entflammbare Eukalyptus-Monokulturen, unterholzreiche, verwilderte Wälder und Brandstiftung begünstigt werden.

Die Böden in Galicien sind so vielfältig wie die Landschaft. Während in den Flussniederungen und Ebenen von Ribeiro und Rías Baixas fruchtbares Schwemmland, teils auch sand- und lehmhaltige dunkle Böden vorherrschen, sind die kontinentaleren Bereiche Monterrei und Ribeira Sacra von sauren Böden auf Schiefer und Granitgestein geprägt. Drainagen und steiniger, sandiger Untergrund werden vor allem auf dem Schiefer- und Granitgestein in Rías Baixas von Hand angelegt, um den Boden zu entwässern. Das kontinentale Valdeorras besitzt im Unterschied zu den anderen Weinbaugebieten lehm- und kalkhaltigen, nährstoffarmen Böden auf Schiefer.

Bedeutende Rebsorten in der Weinbauregion Galicien

Rebsorte Albarino in Rias Baixas, Galicien, Spanien - Vino Culinario
Die vorherrschende Rebsorte in Galicien (hier in Rías Baixas) ist die weiße Albariño.

Da Galicien im spanischen Vergleich sehr kühl und feucht ist, gilt es als klassisches Weißweingebiet. Viele Bereiche im trockeneren Inland bieten jedoch auch gute Voraussetzungen für rote Rebsorten, die jedoch insgesamt in der Minderheit sind.

Die meisten Weinberge sind an den Flussufern und Hängen der zahlreichen Flüsse wie dem Miño (Ribeiro), dem Tamega (Monterrei) oder dem Sil (Valdeorras) angesiedelt. Die zerstückelten, kleinen Flächen machen durch die angewandte Realerbenteilung die Rentabilität des Weinbaus teils schwierig, aber die oft noch bäuerlich organisierten, kleinen Betriebe können so eine sehr vielseitige Rebsortenkultur betreiben.

An roten Sorten finden sich die verbreitete Mencía sowie die Caiño tinto, Sousón, Espadeiro und Brancello (auch Brancellao oder Albarello genannt), aber bekannt ist die Gegend, vor allem das Weinbaugebiet Rías Baixas für die Weißweine aus der Albariño, die hier rund 90% der Rebflächen belegt. Ausgebaut wird sie entweder reinsortig oder als Cuvée mit der weißen Caiño, Godello, Loureira, Torrontés und Treixadura (auch Trajadura). Rías Baixas ist unterteilt in fünf Subzonen: Condado de Tea, O Rosal, Ribeiro do Ulla, Soutomajor und Val do Salnés (oder Valle de Salnés). Letztere Subregion um die Stadt Pontevedra gilt als Ursprungsheimat des Albariño.

Das Gebiet Ribeiro ist ebenfalls sehr weißweinlastig, hat aber eine größere Varianz in den Rebsorten, hauptsächlich Treixadura, Loureira und Torrontés, aus deren getrockneten Beeren auch ein „tostado“ genannter Süßwein gekeltert wird.

Die Regionen Valdeorras und mehr noch Monterrei bieten auch roten Reben eine Heimat, in der sich diese wohlfühlen. Hier finden sich neben den vorgenannten Rotwein-Sorten auch Merenzao (auch María Ardoña genannt) und Tempranillo, die cuviert mit der Mencía von steilen, terrassierten Hängen und auf Schiefergestein qualitativ sehr hochwertige Weine ergeben. Weiterhin wird in dem in zwei Subzonen unterteilten Monterrei (Ledeira de Monterrei und Val de Monterrei) die rote Sorte Bastardo angebaut. An weißen Rebsorten domiert in Monterrei die Godello, gefolgt von Doña Blanca, die auch in Valdeorras angebaut wird. Es dominiert dort allerdings die auch als Tafeltraube verwendete Rebsorte Palomino.

Die fast vollständig auf die Mencía spezialisierte, trockenere Region Ribeira Sacra ist ebenfalls unterteilt in fünf Subzonen: Amandi, Chantada, Quiroga-Bibei, Ribeiras do Miño und Ribeiras do Sil-Ourense. Von hier stammt auch die VdlT-Nomination Valle de Miño-Ourense.

Eine kleine Besonderheit ist die VdlT-Nomination Betanzos, die sich abseits der ausgewiesenen Weinbaugebiete auf einen kleinen Bereich südlich der Stadt A Coruña im Norden Galiciens beschränkt und ebenfalls auf die Palomino-Rebe spezialisiert ist.

Die Weine der Region Galicien

Isla Arousa in Val do Salnes, Galicien, Spanien - Vino Culinario
Das Küstenweinbaugebiet Rías Baixas, genauer die Subregion „Val do Salnés“ (hier die Isla de Arousa nordwestlich von Pontevedra) gilt als Heimat des Albariño.

Die Weine der Region Galicien wurden bereits durch die Jakobsweg-Pilger nach ganz Europa getragen und waren auch an den Höfen nicht unbekannt. Der moderne Weinbau ist allerdings erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder belebt worden und kam erst durch die DO-Nominationen Rías Baixas und Monterrei im gleichen Jahrzehnt wieder richtig in Schwung.
Der bekannteste und qualitativ hochwertigste Wein Galiciens ist der Albariño aus Rías Baixas, entweder sortenrein oder als 70%ige Cuvée mit den o.g. weißen Rebsorten.

Die gekelterten Erzeugnisse sind lebendig, spritzig und floral-fruchtig-frisch mit mehr Säure, als man sonst von Spaniens Weinen gewohnt ist, diese ist aber fein und ausgewogen im Vergleich zu Extrakt und Körper. Die besten dieser „Rieslinge Spaniens“ werden aber durchaus auch von den Top-Sommeliers – nicht nur der Region – auf die Speisekarte genommen.
Empfehlenswert sind z.B. der durchweg sehr gut bewertete Albariño Lereiana Finca Genoveva der Bodegas Forjas del Salnés oder der fruchtige, kräuternotige D. Pedro d’Soutomaior Albariño der Adegas Galegas, beide ansässig in Pontevedra. Die Schaumweine oder Espumosos der DO sind ebenfalls nicht zu verachten.

Aus Valdeorras kommt ein weiterer, komplexer und bestbewerteter Weißwein aus der Godello, der Sorte o Soro des renommierten Weingutes Rafael Palacios, der mit Zitrusfrüchte-, Kräuter- und extraktreichen erdigen Aromen Wertungen bis zu 98 Punkten (Falstaff) erhält und in den besten Jahrgängen entsprechend kostspielig ausfällt.

Eine Besonderheit ist die geschützte Bezeichnung „Valdeorras Superior“, die bei über 80% Reinsortigkeit der zugelassenen Rebsorte vergeben werden darf.
Gleiches bietet die DO Monterrei, allerdings sind hier 85% gefordert. Einer der Spitzenweine aus dieser Region ist der Gorvia Blanco Monterrei, ein reinsortiger Weißwein aus der Doña Blanca (auch Siria) von den Bodegas Quinta da Muradella.

Aber nicht nur Weißweine, auch rote Spezialitäten Galiciens machen von sich reden. Im Gebiet Ribeira Sacra (wörtlich „heiliges Ufer“, geprägt durch die weinbaubetreibenden Mönche des Mittelalters) werden hauptsächlich aus der Mencía reinsortige, rot-fruchtige, leicht-mineralische Weine gekeltert. Auch Weine aus anderen Rebsorten sind jedoch bemerkenswert, so z.B. der Niepoort Ladredo von Niepoort Vinhos aus der französischen roten Cabernet franc, der mit seinem delikaten waldigen Fruchtbukett regelmäßig bestbewertet wird.
Und die Bodega Viña Meín aus Ourense in Ribeira verwendet gleich zwei der regionstypischen Rebsorten, nämlich die Caiño tinto und die Brancello für ihren fein-säurehaltigen, eleganten Tinto Clásico.

Die DO-Regionen in der Region Galicien

  • Monterrei | 1994
  • Rías Baixas | 1988
  • Ribeira Sacra | 1996
  • Ribeiro | 1932
  • Valdeorras | 1945

Die VdlT-Regionen in der Region Galicien

  • Valle de Miño-Ourense | 2001
  • Betanzos | 2001

Sehenswürdigkeiten in Galicien

Santiago de Compostela, Galicein, Spanien - Vino Culinario
Die berühmte Pilgerstadt Santiago de Compostela ist die Hauptstadt Galiciens. Knapp südlich davon beginnt bereits das Weinbaugebiet Rías Baixas.

Die auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Pilgerstadt Santiago de Compostela mit der berühmten Kathedrale und der von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Altstadt ist selbstverständlich ein Publikumsmagnet. Sie liegt am nördlichen Rand des Weinbaugebietes Rías Baixas, ist also ein guter Ausgangspunkt für Touren und Besuche in den hiesigen Bodegas.

Weitere sehenswerte Städte sind die Küstenstädte A Coruña mit dem weithin sichtbaren Wahrzeichen, dem Torre de Hercules im Nordwesten sowie Pontevedra und Vigo im Süden, wobei letztere für önologische Touren wie die regionstypischen Albariño Trails günstiger liegen. Westlich von Vigo ist die Inselgruppe Islas Cíes einen Tagesausflug wert, eine halbe Stunde westlich von Pontevedra wartet der breite, weiße Sandstrand Playa de Areas an türkisblauem Meer.

Das für seine zahlreichen Klerikalbauten, Brücken und Thermalquellen bekannte Städtchen Ourense liegt im Landesinnern im Osten der Weinbauregion Ribeiro und nur wenige Kilometer westlich von Ribeira Sacra und bietet ebenfalls einen guten Startpunkt für Besuche in den benachbarten Weinregionen Monterrei und Valdeorras, die jeweils ca. eine Autostunde entfernt liegen.

Eine idyllische halbe Autostunde entlang des Rio Miño von Ourense aus nach Westen liegt die Bodega Viña Costeira an einem zu einem Stausee verbreiterten Teil des Flusses, bei der man neben den regionalen Weinen auch Touren und spezielle Events buchen kann.
Jedes Weinbaugebiet in Galicien bietet eigene Weinrouten, die sog. rutas del vino, an denen zahlreiche Bodegas, Aussichtspunkte, Restaurants, Unterkünfte und landestypische Bauten wie die prähistorischen Dolmen und die horréos, historische landwirtschaftliche Lagerhäuser, liegen. Das häufig bergige, grüne Hinterland bietet wunderschöne Landschaften mit Wasser, Wald, Bergen und Natur, die mit der Erkundung der kulinarischen Spezialitäten der Region verbunden werden können.

Das westlichste Weinbaugebiet Rías Baixas liegt teilweise direkt an der Küste, so dass Strandausflüge und Küstenwanderungen in die Aktivitäten aufgenommen werden können. In idyllische Hügel eingebettet mit Blick auf den atlantischen Ozean und die Isla de Arosa liegt malerisch die Bodega Granbazán im Herzen von Rías Baixas im Val de Salnés. Verkostungen, Weinbergstouren und kulinarische Events können hier in traumhafter Kulisse genossen werden.
Gleich um die Ecke und ähnlich schön gelegen sind die Bodegas Martin Codax. Auch hier können spezielle Touren, unter anderem mit Muschelsammeln im Watt verbundene Weinproben, gebucht werden.

Nützliche Links

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017
ha = Hektar – hl = Hektoliter

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